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Fundbüros belasten Kassen der Gemeinden

 Erfurt.Vielen Thüringer Städten ist die Schusseligkeit ihrer Bürger eine Last: Denn für die Verlierer eines Gegenstandes ist ein Fundbüro zwar unersetzlich, für die Gemeinden sind die Einrichtungen dagegen ein hoher Kostenfaktor.

Von Hanna Wiehe

Fundbüros sind für viele Thüringer Städte ein undankbares Geschäft. Denn von den Einnahmen, die über eine Versteigerung der verlorenen Dinge erzielt werden, können die Kosten für Personal, Raummiete und bürokratischen Aufwand nicht gedeckt werden.

Die Unterstützung vom Land ist knapp. "Fundbüros sind eine Auftragsangelegenheit, also eine Aufgabe, die eine Gemeinde für das Land erledigen muss", erläutert Ralf Rusch, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Gemeinde- und Städtebund Thüringen. Dafür bekommen die Gemeinden eine Pauschale. "Die deckt die Kosten jedoch bei weitem nicht", sagt Rusch.

Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung müssen die Städte und Gemeinden Fundstücke annehmen und sie sechs Monate lang aufbewahren. Werden sie in diesem Zeitraum nicht vom Besitzer abgeholt, dürfen die Sachen versteigert werden. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Doch auch eine Versteigerung bringt nur wenig Geld in die Haushaltskassen. In Erfurt, Thüringens größter Stadt, waren es bei der vergangenen Versteigerung im September 2700 Euro, teilte der Amtsleiter des Erfurter Bürgeramtes, Peter Neuhäuser, mit. Etwa 600 Fundsachen kämen bei jeder Auktion zusammen. "Am häufigsten werden Taschen, Schirme oder Fahrräder im Fundbüro abgegeben."

Die Stadt Gera kam laut Uschi Lenk von der Stadtverwaltung bei ihrer diesjährigen Versteigerung auf immerhin 1400 Euro. "Mitgeholfen haben zehn Leute", sagt Lenk. Es sei offensichtlich, dass die Anzahl der Beschäftigten und der Erlös in keinem Verhältnis stünden.

Andere Städte können von solchen Zahlen nur träumen. In Sonneberg, wo alle halbe Jahre eine Versteigerung der Fundsachen durchgeführt wird, kamen die Organisatoren am Ende auf 598,50 Euro. "Der Ertrag ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Ordnungsamtsleiter Gerd Wollheim.

In Eisenach gibt es seit zwei Jahren nur eine Fahrradversteigerung. "Von den anderen Fundsachen blieben nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist nicht genug übrig, dass sich eine Versteigerung gelohnt hätte", erklärt Petra Lürtzing von der Stadtverwaltung. Die Einnahmen der verkauften Drahtesel hätten bei gerade mal 335 Euro gelegen. Das lohnt kaum den bürokratischen Aufwand, der vor, während und nach einer Versteigerung entsteht. "Die Funde müssen angenommen, protokolliert und gelagert werden", erklärt Gerd Wollheim. Hinzu komme der Aufwand bei der Veranstaltung selbst: Ein Saal muss gemietet, die Gegenstände aufgebaut, versteigert und protokolliert werden. In Erfurt hat das Fundbüro wegen der Vorbereitungen sogar einen Tag geschlossen.

Schule machen könnte aber das Beispiel von Sondershausen. Dort findet die Versteigerung seit 2006 im Internet statt. "Die abgegebenen Fundstücke werden nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist fotografiert und ins Internet gestellt", erläutert Sven Seidel vom Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Vier Wochen könne man darauf bieten, den Zuschlag erhalte das Höchstgebot. Zwar war auch dort das Ergebnis mit 225 Euro eher mau. "Dafür sparen wir aber den Personal- und Zeitaufwand einer Saalversteigerung", sagt Seidel.


Aus der Osterländer Volkszeitung vom 21.12.2011.
© OVZ-Online, 20.12.2011, 21:58 Uhr
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