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Projekt gegen illegales Sprühen. Graffiti-Künstler kommt an Wieratalschule / Trafohäuschen wird neu gestaltet

 Nobitz/Langenleuba-Niederhain. Graffiti, für den einen sind die bunten Bilder nur Schmierereien, für den anderen ein Lebensgefühl. Auch in Nobitz gibt es beides. Ein Graffiti-Projekt im November an der Wieratalschule soll zwischen den Positionen vermitteln. Die Jugendlichen sollen lernen, dass illegales Sprühen keine Bagatelle ist, sondern Sachbeschädigung. Andererseits wird den Mädchen und Jungen aber auch Raum zum Ausprobieren und Verwirklichen gegeben.

Von Jörg Reuter

"Im Frühjahr hatten wir erhebliche Probleme mit illegalen Graffiti", erzählt der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD). Eine Gruppe von Jungs zog Nacht für Nacht um die Häuser. Tags darauf waren ihre Spuren überall zu sehen. Mit viel Aufwand mussten dann die Bauhofmitarbeiter die Wände putzen. "Schnelles Wegmachen ist wichtig, um den Sprayern die Lust zu nehmen. Die wollen ja, dass ihre Zeichen möglichst lange zu sehen sind", meint Läbe. Das Katz-und-Maus-Spiel sollte aber kein Dauerzustand werden. "Beim Suchen nach einer Lösung kam der Gedanke auf, an die Schule zu gehen, um sich dort direkt an die Jugendlichen zu wenden", sagt Läbe.

Dort soll ihnen klargemacht werden, dass sie beim illegalen Besprühen von Wänden eine Sachbeschädigung begehen. Denn oft fehle den Heranwachsenden das Bewusstsein, dass es sich beim Sprühen von illegalen Graffiti um eine Straftat handelt, die geahndet wird. Geld- oder Freiheitsstrafen drohen demjenigen, der erwischt wird. So habe sich im Übrigen auch ein Teil des Nobitzer Problems vom Frühjahr erledigt. "Einer der Jugendlichen sitzt inzwischen in Haft. Zwar auch wegen anderer Delikte. Aber seitdem haben wir weniger Schmierereien im Ort", berichtet Läbe.

Mit Polizei und Gericht dagegen vorzugehen, ist natürlich nur die zweitbeste Lösung. Viel besser ist es, die Teenager aufzuklären und ihnen legale Möglichkeiten zum Ausleben ihrer Leidenschaft zu geben. Dies soll nun erstmals mit dem Projekt an der Regelschule in Langenleuba-Niederhain erreicht werden. Nicht nur die Lehrer halten das für eine gute Idee. Ebenso begeistert zeigte sich die Envia, die das Graffiti-Projekt mit einer 1000-Euro-Spende unterstützt. Mit im Boot sind ferner der Rositzer Graffitikünstler Ralf Hecht und seine Partnerin Susann Seifert. Sie werden am 12. und 13. November das in den Kunstunterricht integrierte Projekt mit Schülern der achten und neunten Klassen durchführen.

"In dieser Größenordnung haben wir so etwas noch nie gemacht", sagt Susann Seifert. Die Rositzer haben sich viel vorgenommen. Es geht ihnen nicht einfach darum, mit den Mädchen und Jungen drauflos zu sprühen. "Es wird auch viel Theorie geben", kündigt Susann Seifert an. Die Geschichte der Graffitikultur wird beleuchtet, und Begriffe werden erklärt.

Letzteres richtet sich auch an Lehrer und Eltern, die oft gar nicht wüssten, wovon die Schüler reden, wenn es etwa ums Checken - bedeutet Schmiere stehen - oder Basteln - Wegmachen der Graffiti - geht. Für die Jugendlichen sei das Sprühen nämlich weit mehr als ein Dummer-Jungen-Streich oder ein banaler Zeitvertreib. "Das ist für die meisten ein Lebensgefühl, das sich auch im Musikgeschmack, der Kleidung oder eben in ihrer Sprache ausdrückt", so Susann Seifert.

Aber auch die rechtliche Seite und die Konsequenzen kommen nicht zu kurz. Ralf Hecht wird dazu Geschichten aus seinem Leben und dem anderer Sprayer erzählen: Wie sie mit dem Gesetz in Konflikt kamen, wie der erste hart erarbeitete Lohn zum Bezahlen von Strafen draufging und welche Wege es gibt, die Leidenschaft in legale Bahnen zu lenken. Außerdem gibt es Tipps, was in punkto Gesundheit zu beachten ist, und Umweltprobleme werden angesprochen.

Und dann geht es mit der Spraydose gemeinsam mit Ralf Hecht zum Bilder sprühen. Dazu werden auf dem Schulhof extra Wände aufgestellt sein, an denen die Schüler legal ihr Talent zeigen können. Außerdem ist die Kreativität der Mädchen und Jungen für den Abschluss gefragt. Dann werden sie Entwürfe für eine Graffiti-Gestaltung des Trafohauses in Klausa gestalten.


Aus der Osterländer Volkszeitung vom 01.11.2012.
© OVZ-Online, 31.10.2012, 21:09 Uhr
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